Pressemitteilung:

Veranstaltung mit Prof.Dr. Willi Diez

Donnerstag, 18. November 2010

Auf Einladung der MIT Kirchheim sprach Professor Willi Diez, Direktor am Institut für Automobilwirtschaft an der Hochschule für Wirtschaft und Umwelt Nürtingen-Geislingen, über neue Antriebskonzepte. Er glaubt an das Kommen der Elektroautos ?allerdings werde dies noch etwa zwei Jahrzehnte dauern. Der Vorsitzende des MIT-Gebietsverbands Kirchheim, Franz Pfeffer, ging in seiner Begrüßung darauf ein, dass Mobilität das Rückgrat einer modernen, arbeitsteiligen Wirtschaft darstelle, und die Automobilindustrie wesentlich zum Wohlstand der Region Stuttgart beitrage. Leider sei jedoch seit den 70er Jahren der motorisierte Individualverkehr zunehmend ?verteufelt worden? und es seien deshalb notwendige Investitionen in das Straßennetz unterblieben. In der Folge entstünden auf Baden-Württembergs Straßen jährlich 230.000 km Stau, die mehrere Millionen Liter Kraftstoff kosteten. Zugleich steht die Automobilindustrie vor der Herausforderung, vor dem Hintergrund sich verteuernder fossiler Energieträger und strengerer Umweltauflagen, Investitionen in sparsamere bzw. alternative Antriebskonzepte vorzunehmen, um auch weiterhin zur Weltspitze zu gehören. Der Geschäftsführer, der Autogalerie Entenmann, Herr Werner E. Entenmann, ging in seinem Grußwort auf die zurückliegende Wirtschaftskrise ein, durch die sein Unternehmen gut hindurchgekommen sei, und während der er wichtige Investitionen in seine Autohäuser an den Standorten Esslingen und Kirchheim/ Teck durchführte. ?Ich hatte zwar die eine oder andere schlaflose Nacht, aber es hat sich wieder einmal als richtig herausgestellt, vor der Krise zu planen, während der Krise zu bauen, um den Aufschwung nach der Krise mitzunehmen? so Entenmann mit Blick auf sein erst im März 2010 neu eröffnetes Autohaus in Kirchheim/ Teck. Prof. Dr. Willi Diez, der zum Thema ? Die Zukunft der Automobilindustrie im Spannungsfeld von Ökologie und Ökonomie? sprach, verwies auf die Schwierigkeiten der deutschen Hersteller, die EU-Vorgaben zum CO2-Ausstoß zu erfüllen: ?Ein Drei-Liter-Motor lässt sich nicht so leicht auf 100 Gramm bringen wie ein Fiat 500.? In seinem faktenreichen und sehr anschaulichen Vortrag betonte Diez, dass der Verbrennungsmotor nach wie vor große Reduktionspotenziale biete. Laut einer Studie der Firma Bosch sei bei Benzinern ein Durchschnittsverbrauch von 3,8 Litern, bei Diesel gar von 2,6 Litern, mit überschaubarem Aufwand möglich. Schritte dazu seien die Hybridisierung, die Elektrifizierung, das Verwenden kleinerer Motoren und der Bau leichterer Fahrzeuge. Diez stellte verschiedene Möglichkeiten der Elektrifizierung in einer Übersicht dar. Es gibt den Vollhybrid wie den Toyota Prius, der nur eine minimale elektrische Reichweite hat. Der ?Plug-in-Hybrid? kommt dank einer Batterie, die an einer Steckdose geladen werden kann, rein elektrisch bis zu 60 Kilometer weit. Kurzstrecken können damit im alleinigen Elektrobetrieb gefahren werden, für die weitere Fahrt am Wochenende nutzt er dann auch einen Verbrennungsmotor. Der Chevrolet Volt, der 2011 für stolze 42?000 Euro auch als Opel Ampera auf den Markt kommen soll, geht nochmals einen Schritt weiter. In diesem ?Plug-in-Hybrid mit Range Extender? dient der Verbrennungsmotor als Generator, der Strom für den elektrischen Antrieb erzeugt. Lässt man den Verbrennungsmotor ganz weg, landet man beim batteriebetriebenen Elektroauto. Vorteile dieses Fahrzeugs sind seine geringen Geräuschemissionen und das enorme Drehmoment. Allerdings ist schon nach 120 bis 180 Kilometern Schluss und die Betankung dauert acht Stunden. Die Möglichkeit einer Schnellladung in zwei bis drei Stunden, verkürzt jedoch die Lebensdauer der teuren Batterie. Als letztes, technisch inzwischen sehr ausgereiftes Konzept, erwähnte Diez die Brennstoffzelle. Das Konzept ?Wasserstoff statt Batterie? sorgt einerseits für eine Reichweite von etwa 500 Kilometern, andererseits bestehen bei der Brennstoffzelle noch Probleme aufgrund der hohen Kosten und der Herstellung des Wasserstoffs. ?Wenn sie das mit Öl oder Kohle machen, können sie es gleich bleiben lassen?, sagte Diez. Als ?Traum? beschrieb er den Plug-in-Hybrid, dessen Range Extender aus einer Brennstoffzelle besteht ? der Strom für die Batterie und der Wasserstoff für die Brennstoffzelle könnten beide regenerativ erzeugt werden. Dieser idealtypische Antrieb, den es bisher nur im VW-Prototyp ?Space Up? gibt, hat nur einen Nachteil: Er ist im Moment kaum zu bezahlen. Der Vorteil des Stroms besteht darin, dass er auf ganz verschiedene Weisen erzeugt werden kann. Wie das geschieht, entscheidet über die Ökobilanz des Elektroautos. Ein elektrischer Mini E, betrieben mit dem deutschen Strommix, bringt es auf einen CO2-Ausstoß von 87 Gramm. Würde er in Norwegen fahren, wären es dank der intensiven Nutzung der Wasserkraft nur sechs Gramm. Bis sich ein Elektroauto gegenüber einem Dieselfahrzeug rechne, so Diez, brauche es heute 273?000 Kilometer, beim Benziner 179?000 Kilometer. Koste der Treibstoff im Jahr 2020 das Doppelte wie heute und die Batterie die Hälfte, sänken die Werte aber auf 49?000 und 38?000 Kilometer. Fazit: ?Das Elektroauto wird kommen, aber es wird seine Zeit brauchen.? Ein Elektroauto müsse jedoch eigenständig entwickelt werden, ein ?umgebautes? ehemaliges Verbrennungsfahrzeug nutze das Potenzial nicht optimal aus. Noch 2030, so Diez? Schätzung, werde in 60 Prozent aller Autos ein Verbrennungsmotor sein. Dessen Stärke, vor allem beim Diesel, liege bei der Langstrecke, während die Stärken des Elektroantriebs in der Stadt lägen. Die Brennstoffzelle decke alles ab ? zumindest theoretisch. Beim Elektroantrieb, verdeutlichte Diez, gehe es um weit mehr als um einen neuen Motor, sondern um ein Gesamtkonzept. Von der Tankstelle bis zum Recycling werde sich alles ändern, auch die Steuererhebung. Wer ein Elektroauto kaufen möchte, dem rät Diez, sein bisheriges Auto noch fünf bis acht Jahre zu fahren. Zudem sollte auch ein Teil der ?sehr hohen Sicherheits- und Komfortansprüche?, die Diez beobachtet, auf den Prüfstand. Franz Pfeffer bat in seinem Schlusswort Diez darum, sich. wie in der Vergangenheit, auch weiterhin für die mittelständischen Betriebe des Kfz-Gewerbes einzusetzen. Vor der sich anschließenden Bewirtung durch das Autohaus Entenmann und den zahlreichen Fachgesprächen unter den Teilnehmern der Veranstaltung führten Mitarbeiter des Autohauses Entenmann eine Vorab-Premiere des neuen BMW X3 durch.

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